Mit der Minervini-Strategie Aktien handeln: Schritt für Schritt zur SEPA-Strategie

Kann man mit Aktien langfristig 50 % Rendite pro Jahr erzielen?

Mark Minervini gehört zu den bekanntesten Momentum-Tradern der Welt und hat mit seiner SEPA-Strategie (Specific Entry Point Analysis) einen Ansatz entwickelt, der sich konsequent auf starke Wachstumsaktien konzentriert.

Das Ziel besteht nicht darin, möglichst viele Aktien zu kaufen. Im Gegenteil: Minervini sucht gezielt nach Aktien, die sich bereits in einem klaren Aufwärtstrend befinden und bestimmte technische und fundamentale Voraussetzungen erfüllen.

Wichtig: Eine Rendite von 50 % pro Jahr ist nicht garantiert. Das folgende Beispiel zeigt lediglich, was aus einem bestimmten Startkapital werden könnte, wenn eine durchschnittliche jährliche Rendite von 50 % tatsächlich erreicht würde.


Was steckt hinter der Minervini-Strategie?

Die Strategie von Mark Minervini wird häufig mit dem Begriff SEPA – Specific Entry Point Analysis verbunden.

Dabei werden mehrere Faktoren miteinander kombiniert:

  1. Der übergeordnete Trend der Aktie
  2. Die relative Stärke der Aktie
  3. Fundamentale Entwicklung des Unternehmens
  4. Eine möglichst günstige Chartformation
  5. Ein präziser Einstiegspunkt
  6. Ein konsequentes Risikomanagement

Das bekannte Trend Template ist dabei nur ein Bestandteil der gesamten SEPA-Methode.

Vereinfacht lässt sich der Ansatz so darstellen:

Fundamentale Stärke

↓

Technische Stärke

↓

Konstruktive Chartformation

↓

Pivot Point

↓

Ausbruch

↓

Risikomanagement


Schritt 1: Nur Aktien in einem starken Aufwärtstrend betrachten

Minervini orientiert sich am sogenannten Stage-2-Aufwärtstrend.

Eine Aktie soll nicht gekauft werden, weil sie gerade stark gefallen ist und deshalb vermeintlich billig erscheint.

Stattdessen lautet die Grundidee:

Stärke kaufen und Schwäche meiden.

Das Trend Template verwendet unter anderem die gleitenden Durchschnitte der letzten 50, 150 und 200 Handelstage.

Typischerweise werden folgende Bedingungen geprüft:

  • Der Aktienkurs liegt über der 50-Tage-Linie.
  • Der Kurs liegt über der 150-Tage-Linie.
  • Der Kurs liegt über der 200-Tage-Linie.
  • Die 50-Tage-Linie liegt über der 150-Tage-Linie.
  • Die 150-Tage-Linie liegt über der 200-Tage-Linie.
  • Die 200-Tage-Linie steigt.
  • Die Aktie befindet sich deutlich über ihrem 52-Wochen-Tief.
  • Gleichzeitig befindet sie sich relativ nahe an ihrem 52-Wochen-Hoch.
  • Die Aktie besitzt eine hohe relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt.

Je nach Darstellung und Quelle werden einzelne Schwellenwerte unterschiedlich wiedergegeben; im klassischen Trend Template werden unter anderem ein Abstand von mindestens etwa 30 % zum 52-Wochen-Tief, eine Nähe von höchstens etwa 25 % zum 52-Wochen-Hoch und ein RS-Rating von mindestens 70 genannt.

Die wichtigste Idee:

Eine Aktie soll bereits Stärke zeigen, bevor man sie kauft.


Schritt 2: Nicht jede starke Aktie sofort kaufen

Ein häufiger Fehler besteht darin, eine Aktie nur deshalb zu kaufen, weil sie alle Trendkriterien erfüllt.

Das Trend Template ist zunächst ein Filter.

Danach wird nach einer geeigneten Chartformation gesucht.

Besonders bekannt ist bei Minervini das sogenannte VCP – Volatility Contraction Pattern.

Dabei werden die Kursschwankungen innerhalb einer Basisformation zunehmend kleiner. Idealerweise nimmt auch das Handelsvolumen während der Konsolidierung ab.

Die Idee dahinter:

Die Verkäufer verlieren zunehmend an Kraft, während sich die Aktie auf einen möglichen Ausbruch vorbereitet.


Schritt 3: Den richtigen Einstiegspunkt bestimmen

Minervini kauft nicht einfach irgendwo innerhalb einer Formation.

Entscheidend ist ein sogenannter Pivot Point.

Die Aktie soll aus ihrer Basisformation nach oben ausbrechen.

Besonders interessant ist dabei ein Ausbruch mit deutlich anziehendem Handelsvolumen. Das kann darauf hindeuten, dass größere Marktteilnehmer in die Aktie einsteigen.

Der Anleger wartet also nicht darauf, dass eine Aktie irgendwann vielleicht steigt.

Er versucht, einen konkreten technischen Einstiegspunkt zu definieren.


Schritt 4: Die Fundamentaldaten nach Minervini prüfen

SEPA besteht nicht nur aus Charttechnik.

Eine Aktie kann einen hervorragenden Aufwärtstrend und eine interessante VCP-Formation besitzen. Wenn das Unternehmen gleichzeitig kein überzeugendes Gewinn- und Umsatzwachstum vorweisen kann, fehlt jedoch ein wichtiger Bestandteil der Minervini-Analyse.

Minervini konzentriert sich auf Wachstumsunternehmen, deren fundamentale Entwicklung den starken Kursverlauf möglichst unterstützt.

Besonders relevant sind:

  • Gewinnwachstum
  • Umsatzwachstum
  • Beschleunigung des Gewinnwachstums
  • Gewinnmargen
  • positive Gewinnüberraschungen
  • steigende Analystenschätzungen
  • Eigenkapitalrendite
  • Markt- und Branchenposition

Dabei sollte nicht eine einzelne Kennzahl isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus fundamentaler Dynamik und starkem Kursverhalten.


4.1 Gewinnwachstum – EPS ist besonders wichtig

Ein zentraler Punkt ist das Wachstum des Gewinns je Aktie (EPS – Earnings per Share).

Als häufig genannter Richtwert im Zusammenhang mit dem SEPA-Ansatz gilt ein quartalsweises EPS-Wachstum von mindestens etwa 20 bis 25 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Besonders interessant können Unternehmen sein, bei denen das Gewinnwachstum deutlich höher liegt.

Beispiel:

UnternehmenEPS-Wachstum
A+8 %
B+22 %
C+45 %
D-5 %

Für eine wachstumsorientierte SEPA-Analyse wären Unternehmen mit deutlich positivem und möglichst beschleunigtem Gewinnwachstum grundsätzlich interessanter als Unternehmen mit stagnierenden oder rückläufigen Gewinnen.

Wichtig ist jedoch, nicht nur ein Quartal zu betrachten.

Man sollte beispielsweise prüfen:

  • Wie entwickelte sich das EPS im letzten Quartal?
  • Wie sahen die vorherigen Quartale aus?
  • Steigt die Wachstumsrate?
  • Wie entwickelt sich das EPS auf Jahresbasis?

4.2 Gewinnwachstum sollte möglichst beschleunigen

Für Minervini ist nicht nur die Höhe des Wachstums interessant.

Noch interessanter kann die Beschleunigung des Wachstums sein.

Beispiel:

+15 % → +22 % → +35 %

Das wäre eine Beschleunigung.

Dagegen:

+45 % → +30 % → +18 %

zeigt zwar weiterhin Wachstum, aber eine nachlassende Dynamik.

Eine Aktie mit starkem Kursanstieg sollte möglichst durch eine ebenfalls überzeugende Geschäftsentwicklung unterstützt werden.


4.3 Umsatzwachstum prüfen

Neben dem Gewinn muss auch der Umsatz betrachtet werden.

Ein stark steigender Gewinn ist wesentlich überzeugender, wenn gleichzeitig das Unternehmen seine Umsätze deutlich steigert.

Als häufig verwendeter Richtwert im SEPA-Kontext werden etwa 20 % oder mehr Umsatzwachstum genannt. Auch hier sind jedoch Qualität, Nachhaltigkeit und Beschleunigung des Wachstums wichtiger als eine starre Zahl.

Beispiel:

Umsatzwachstum:

+12 % → +18 % → +25 %

gleichzeitig:

EPS-Wachstum:

+18 % → +27 % → +42 %

Eine solche Entwicklung wäre aus Sicht einer wachstumsorientierten Analyse deutlich interessanter als stagnierende Umsätze und Gewinne.


4.4 Gewinn und Umsatz gemeinsam betrachten

Ein häufiger Fehler besteht darin, ausschließlich auf das EPS zu schauen.

Besser ist die Kombination:

Umsatz wächst + Gewinn wächst + Gewinnwachstum beschleunigt sich

Beispiel:

KennzahlVorjahrAktuelles Jahr
Umsatzwachstum+12 %+25 %
EPS-Wachstum+18 %+42 %
Gewinnmarge12 %15 %

Hier verbessert sich nicht nur der Umsatz.

Auch das Gewinnwachstum beschleunigt sich und die Marge steigt.

Das ist für die Analyse eines Wachstumsunternehmens wesentlich interessanter als ein Unternehmen, dessen Umsatz zwar steigt, dessen Gewinnmarge aber gleichzeitig sinkt.


4.5 Gewinnmargen beobachten

Interessant ist auch die Entwicklung der Gewinnmargen.

Beispiel:

Gewinnmarge 10 % → 12 % → 15 %

Das Unternehmen verdient dann nicht nur mehr, weil es mehr verkauft, sondern erzielt gleichzeitig mehr Gewinn aus jedem Euro Umsatz.

Eine steigende Marge kann deshalb ein zusätzliches Qualitätsmerkmal sein.

Umgekehrt sollte man genauer hinschauen, wenn der Umsatz stark wächst, die Gewinnmarge aber gleichzeitig deutlich fällt.


4.6 Return on Equity – ROE

Ein weiterer häufig genannter Kennwert ist die Eigenkapitalrendite (Return on Equity bzw. ROE).

Der ROE zeigt vereinfacht, wie effizient ein Unternehmen das eingesetzte Eigenkapital zur Erzielung von Gewinnen nutzt.

Ein häufig genannter Richtwert im Zusammenhang mit Minervinis Fundamentalanalyse liegt bei etwa 17 % oder höher.

Dieser Wert sollte jedoch nicht als starre Kaufregel verstanden werden.

Außerdem kann ein hoher ROE teilweise durch eine hohe Verschuldung entstehen. Deshalb sollte der ROE niemals isoliert betrachtet werden.


4.7 Positive Gewinnüberraschungen

Interessant sind außerdem Earnings Surprises.

Dabei wird verglichen, ob ein Unternehmen mit seinem tatsächlich veröffentlichten Gewinn die vorherigen Analystenschätzungen übertroffen hat.

Beispiel:

Erwartetes EPS: 1,00 €

Tatsächliches EPS: 1,15 €

Das Unternehmen hat die Erwartung übertroffen.

Besonders interessant kann es sein, wenn ein Unternehmen wiederholt positiv überrascht und gleichzeitig seine operative Entwicklung verbessert.


4.8 Analystenschätzungen und Gewinnrevisionen

Auch Veränderungen bei den Gewinnschätzungen können hilfreich sein.

Wenn Analysten ihre zukünftigen Gewinnprognosen nach oben korrigieren, kann dies ein zusätzliches Signal für eine sich verbessernde Geschäftsentwicklung sein.

Beispiel:

EPS-Schätzung:

2,00 € → 2,20 € → 2,50 €

Das bedeutet nicht automatisch, dass die Aktie steigen muss.

Es zeigt aber, dass sich die Erwartungen an die zukünftige Gewinnentwicklung verbessert haben.


4.9 Jahreszahlen nicht vergessen

Neben den Quartalszahlen sollten auch die jährlichen Ergebnisse betrachtet werden.

Beispielsweise:

EPS:

2023: 2,00 €

2024: 2,60 €

2025: 3,50 €

2026: 4,80 €

Hier zeigt sich ein langfristiger Aufwärtstrend.

Noch interessanter ist die Entwicklung, wenn gleichzeitig:

  • Umsatz steigt,
  • EPS steigt,
  • Margen steigen oder stabil bleiben,
  • und das Wachstum nicht nur auf einem einzelnen Quartal beruht.

4.10 Wachstum ist wichtiger als ein niedriger Aktienkurs

Eine Aktie bei 20 € ist nicht automatisch günstiger als eine Aktie bei 200 €.

Der Aktienkurs allein sagt praktisch nichts über die Bewertung eines Unternehmens aus.

Für die SEPA-Analyse sind vielmehr Faktoren wie:

  • Gewinnwachstum
  • Umsatzwachstum
  • Margen
  • Bewertung
  • Marktstellung
  • relative Stärke

relevant.

Minervinis Ansatz sucht deshalb nicht einfach nach Aktien mit einem niedrigen KGV oder einem niedrigen Aktienkurs.

Im Mittelpunkt stehen Unternehmen mit starker fundamentaler und technischer Dynamik.


4.11 Die Fundamentaldaten sollten zur Kursentwicklung passen

Das Entscheidende ist die Kombination.

Beispielsweise:

  • Umsatz +25 %
  • EPS +40 %
  • Margen steigen
  • Analystenschätzungen werden angehoben
  • Aktie befindet sich gleichzeitig in einem starken Aufwärtstrend

Dann gibt es zumindest eine fundamentale Entwicklung, die den starken Kursverlauf unterstützen kann.

Umgekehrt wäre ein starker Kursanstieg bei gleichzeitig rückläufigem Umsatz und Gewinn wesentlich kritischer zu hinterfragen.

Die SEPA-Analyse lässt sich deshalb vereinfacht als Zusammenspiel verschiedener Komponenten betrachten:

Fundamentaldaten

↓

starkes Kursverhalten

↓

relative Stärke

↓

saubere Chartformation

↓

Pivot Point

↓

Ausbruch

↓

Risikomanagement


Schritt 5: Kostenlose Tools für die Fundamentalanalyse und Aktienauswahl

Wer die Minervini-Strategie nicht nur theoretisch verstehen, sondern selbst ausprobieren möchte, muss nicht sofort teure Börsenprogramme kaufen.

Es gibt mehrere kostenlose Online-Tools, mit denen sich ein großer Teil des Auswahlprozesses durchführen lässt.

Wichtig: Kein kostenloser Screener kann die komplette SEPA-Analyse automatisch ersetzen. Insbesondere die Beurteilung einer VCP-Formation, der Qualität einer Konsolidierung und eines konkreten Pivot-Punkts erfordert weiterhin eine eigene Chartanalyse.


5.1 TradingView – Charts und Aktien-Screener

TradingView gehört zu den bekanntesten Werkzeugen für die technische Analyse.

Der Aktien-Screener ermöglicht die Filterung nach zahlreichen technischen und fundamentalen Kriterien.

Besonders interessant für die Minervini-Strategie: Auf TradingView gibt es kostenlose, von Nutzern veröffentlichte Indikatoren, die zentrale Bedingungen des Minervini Trend Templates überprüfen.

Beispielsweise können solche Skripte unter anderem folgende Kriterien darstellen:

  • Kurs über der 50-Tage-Linie
  • Kurs über der 150-Tage-Linie
  • Kurs über der 200-Tage-Linie
  • 50-Tage-Linie über 150-Tage-Linie
  • 150-Tage-Linie über 200-Tage-Linie
  • steigende 200-Tage-Linie
  • mindestens etwa 30 % über dem 52-Wochen-Tief
  • höchstens etwa 25 % unter dem 52-Wochen-Hoch

So kann man TradingView einsetzen

Schritt 1: Aktien-Screener öffnen.

Schritt 2: Aktienmarkt auswählen, beispielsweise USA.

Schritt 3: Aktien mit ausreichendem Handelsvolumen herausfiltern.

Schritt 4: Technische und fundamentale Kriterien überprüfen.

Schritt 5: Die verbleibenden Aktien in eine Watchlist übernehmen.

Schritt 6: Anschließend die einzelnen Charts auf VCP, Konsolidierungen und mögliche Pivot-Punkte untersuchen.

TradingView eignet sich damit besonders gut für die Verbindung von Screening und Chartanalyse.


5.2 Finviz – kostenloser US-Aktienscreener

Finviz ist ein weiterer bekannter Screener für US-Aktien.

Der kostenlose Screener bietet zahlreiche Filter aus den Bereichen:

  • technische Analyse
  • Fundamentaldaten
  • Performance
  • Volumen
  • Marktkapitalisierung
  • Bewertung
  • Branche
  • relative Kursentwicklung

Für eine Minervini-orientierte Suche kann man beispielsweise zunächst nach Aktien mit:

  • positivem Gewinnwachstum,
  • positivem Umsatzwachstum,
  • hoher relativer Performance,
  • ausreichendem Handelsvolumen,
  • Nähe zum 52-Wochen-Hoch

suchen.

Finviz eignet sich deshalb als erste Filterstufe.

Anschließend können die ausgewählten Aktien beispielsweise in TradingView und StockAnalysis genauer untersucht werden.


5.3 StockAnalysis – kostenlose Fundamentalanalyse

StockAnalysis bietet ebenfalls einen kostenlosen Aktien-Screener mit zahlreichen Filtern.

Die Plattform stellt unter anderem Kursdaten, Finanzkennzahlen, Charts und Unternehmensdaten zur Verfügung.

Für die SEPA-Analyse können beispielsweise folgende Punkte untersucht werden:

  • Umsatzentwicklung
  • Gewinnentwicklung
  • Gewinn je Aktie
  • Gewinnmargen
  • KGV
  • Verschuldung
  • Marktkapitalisierung
  • historische Finanzdaten

Damit lässt sich die technische Analyse um eine fundamentale Unternehmensanalyse ergänzen.


5.4 Kostenloser Minervini-Trend-Template-Screener

Wer möglichst nah am bekannten Trend Template arbeiten möchte, kann auch einen kostenlosen TradingView-Indikator verwenden.

Öffentlich verfügbare Minervini-Trend-Template-Skripte können beispielsweise folgende Bedingungen überprüfen:

  • Kurs über 50-, 150- und 200-Tage-Durchschnitt
  • 50-Tage-Linie über 150- und 200-Tage-Linie
  • 150-Tage-Linie über 200-Tage-Linie
  • steigende 200-Tage-Linie
  • Kurs mindestens etwa 30 % über dem 52-Wochen-Tief
  • Kurs innerhalb von etwa 25 % des 52-Wochen-Hochs

Damit kann man sich einen Teil der manuellen Prüfung ersparen.

Solche Skripte stellen jedoch nicht automatisch die vollständige SEPA-Analyse dar.

Fundamentaldaten, Chartformation, Marktphase, Pivot und Risikomanagement müssen weiterhin separat beurteilt werden.


Schritt 6: Die fundamentale Minervini-Checkliste

Vor einem möglichen Einstieg kann folgende Checkliste verwendet werden:

Fundamentales KriteriumPrüfung
Quartals-EPS deutlich positiv?☐
EPS-Wachstum möglichst ≥ 20–25 %?☐
EPS-Wachstum beschleunigt sich?☐
Umsatzwachstum deutlich positiv?☐
Umsatzwachstum möglichst ≥ 20 %?☐
Gewinnmargen stabil oder steigend?☐
Jahres-EPS zeigt Aufwärtstrend?☐
Positive Gewinnüberraschungen?☐
Analystenschätzungen werden angehoben?☐
ROE attraktiv?☐
Verschuldung vertretbar?☐
Marktstellung/Branche interessant?☐
Fundamentaldaten bestätigen den starken Kurs?☐

Diese Tabelle ist kein offizielles Minervini-Punktesystem.

Sie dient dazu, die wichtigsten fundamentalen Aspekte strukturiert zu überprüfen.


Schritt 7: Den richtigen Einstiegspunkt bestimmen

Nach der fundamentalen und technischen Vorauswahl kommt die konkrete Chartanalyse.

Gesucht wird beispielsweise eine:

  • VCP-Formation
  • enge Konsolidierung
  • konstruktive Basis
  • bullishe Flagge oder vergleichbare Formation

Entscheidend ist anschließend der Pivot Point.

Die Aktie soll aus der Formation nach oben ausbrechen.

Idealerweise geschieht dies mit einem deutlich steigenden Handelsvolumen.

Der Anleger definiert also bereits vor dem Einstieg:

Wo kaufe ich?

Wo liegt mein Stop?

Wie groß darf meine Position sein?

Damit wird aus einer allgemeinen Aktienidee ein konkreter Handelsplan.


Schritt 8: Stop-Loss konsequent einsetzen

Ein zentraler Bestandteil der Minervini-Philosophie ist das Verlustmanagement.

Minervini wird häufig mit einer maximalen Verlustbegrenzung von ungefähr 7 bis 8 % unterhalb des Einstiegskurses in Verbindung gebracht.

Ein Beispiel:

Eine Aktie wird für 100 € gekauft.

Bei einem 7-%-Stop liegt die Stop-Marke ungefähr bei:

100 € × 0,93 = 93 €

Fällt die Aktie bis zu diesem Bereich, wird die Position geschlossen.

Wichtig ist jedoch:

7 % Verlust in der Aktie bedeutet nicht 7 % Verlust des gesamten Depots.

Wenn nur ein Teil des Depots investiert ist, ist der mögliche Depotverlust entsprechend kleiner.


Schritt 9: Positionsgröße berechnen

Positionsgröße und Stop-Loss gehören zusammen.

Beispiel:

Depot: 2.000 €

Geplantes Risiko: 1 % = 20 €

Stop-Abstand: 5 %

Theoretische Positionsgröße:

20 € ÷ 0,05 = 400 €

Die Position wäre also ungefähr 400 € groß.

Die tatsächliche Berechnung sollte zusätzlich Gebühren, Spreads, mögliche Kurslücken und die tatsächliche Ausführung berücksichtigen.


Schritt 10: Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen

Die Strategie folgt einem einfachen Prinzip:

Verluste schnell begrenzen – erfolgreiche Positionen dagegen nicht zu früh verkaufen.

Viele Anleger machen genau das Gegenteil:

Sie verkaufen eine Aktie nach einem kleinen Gewinn von 5 oder 10 %, während sie eine Verlustposition behalten, weil sie hoffen, dass die Aktie irgendwann wieder steigt.

Minervinis Ansatz dreht dieses Verhalten um.

Eine schwache Aktie wird konsequent verkauft.

Eine starke Aktie kann dagegen weiter gehalten werden, solange der Aufwärtstrend intakt bleibt.


Schritt 11: Nicht in fallende Aktien hineinverbilligen

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Averaging Down.

Wenn eine Aktie beispielsweise von 100 € auf 90 € fällt, besteht die Versuchung, weitere Aktien zu kaufen:

„Jetzt ist sie günstiger.“

Aus Sicht der Minervini-Methode ist das problematisch.

Denn der Markt signalisiert möglicherweise, dass die ursprüngliche Analyse falsch war.

Statt einen Verlust immer größer werden zu lassen, wird die Position geschlossen und nach einer neuen Chance gesucht.


Ein kompletter kostenloser Workflow für die Minervini-Strategie

Mit mehreren kostenlosen Werkzeugen lässt sich ein einfacher Workflow aufbauen:

Finviz / StockAnalysis

↓

Aktien mit starkem Umsatz- und Gewinnwachstum finden

↓

TradingView

↓

Trend Template überprüfen

↓

Relative Stärke analysieren

↓

Chart auf VCP oder andere konstruktive Formation prüfen

↓

Pivot Point bestimmen

↓

Fundamentaldaten nochmals kontrollieren

↓

Positionsgröße berechnen

↓

Stop-Loss festlegen

↓

Order beim Broker

Damit muss ein Anleger nicht für jede einzelne Aufgabe ein kostenpflichtiges Börsenprogramm abonnieren.


Eine einfache kostenlose Minervini-Checkliste

Wer es besonders einfach halten möchte, kann sich für jede Aktie eine Checkliste erstellen:

PrüfungJa/Nein
Kurs über 50-Tage-Linie?☐
Kurs über 150-Tage-Linie?☐
Kurs über 200-Tage-Linie?☐
50-Tage-Linie über 150-Tage-Linie?☐
150-Tage-Linie über 200-Tage-Linie?☐
200-Tage-Linie steigt?☐
Mindestens ca. 30 % über 52-Wochen-Tief?☐
Maximal ca. 25 % vom 52-Wochen-Hoch entfernt?☐
Relative Stärke überzeugend?☐
EPS-Wachstum stark?☐
Umsatzwachstum stark?☐
Gewinnwachstum beschleunigt sich?☐
Gewinnmargen stabil/steigend?☐
Jahresgewinne steigen?☐
Positive Gewinnüberraschungen?☐
Analystenschätzungen werden angehoben?☐
ROE attraktiv?☐
Enge Konsolidierung vorhanden?☐
VCP oder vergleichbare Formation erkennbar?☐
Pivot Point eindeutig?☐
Handelsvolumen beim Ausbruch überzeugend?☐
Stop-Loss vor dem Einstieg festgelegt?☐
Positionsgröße anhand des Risikos berechnet?☐

Die Checkliste ist kein automatisches Kaufsignal.

Sie hilft lediglich dabei, die eigene Analyse systematisch durchzuführen.


Kann man mit der Minervini-Strategie 50 % im Jahr verdienen?

Hier muss man zwischen Möglichkeit und Erwartung unterscheiden.

Eine durchschnittliche Rendite von 50 % pro Jahr wäre außergewöhnlich hoch.

Historische Ergebnisse einzelner Trader oder Wettbewerbe sind kein Beweis dafür, dass ein Privatanleger dieselbe Rendite erzielen kann.

Deshalb sollte man 50 % nicht als Versprechen verstehen.

Man kann aber mathematisch berechnen, was aus einem Startkapital würde, wenn tatsächlich jedes Jahr durchschnittlich 50 % Rendite erzielt würden.

Die Formel lautet:

Endkapital = Startkapital × 1,50ⁿ

Dabei steht n für die Anzahl der Jahre.

Beispielrechnung bei 50 % jährlicher Rendite

Startkapitalnach 10 Jahrennach 15 Jahrennach 20 Jahren
500 €28.833 €218.947 €1.662.628 €
1.000 €57.665 €437.894 €3.325.257 €
2.000 €115.330 €875.788 €6.650.513 €

Diese Zahlen sind reine Rechenbeispiele.

Sie berücksichtigen insbesondere nicht:

  • Steuern
  • Ordergebühren
  • Spreads
  • Slippage
  • Verlustjahre
  • längere Phasen ohne geeignete Aktien
  • Änderungen der Marktbedingungen

Die Tabelle zeigt deshalb vor allem die enorme Wirkung des Zinseszinseffekts.


Warum kann man die Strategie mit comdirect umsetzen?

Für Anleger in Deutschland ist die praktische Umsetzung beispielsweise über ein Wertpapierdepot bei comdirect möglich.

comdirect ermöglicht den Online-Handel mit Aktien und bietet sowohl Inlands- als auch Auslandsorders an. Dazu gehören unter anderem Börsenplätze in den USA ( Hier klicken https://www.tarifcheck.com/gt1QGUN, und dort auf jetzt vergleichen klicken und dann etwas nach unten scrollen, bis man comdirect sieht).

Das ist für die Minervini-Strategie interessant, weil viele starke Momentum- und Wachstumsaktien aus den USA stammen.

Auch Stop-Loss-Orders können bei comdirect eingesetzt werden.

Damit lassen sich wichtige Bestandteile des Minervini-Ansatzes technisch umsetzen:

Aktie auswählen → Einstieg definieren → Position kaufen → Stop-Loss setzen → Position überwachen → bei Regelverletzung verkaufen.

Die zuvor genannten kostenlosen Tools übernehmen dabei eine andere Aufgabe:

TradingView / Finviz / StockAnalysis = Analyse und Vorauswahl

comdirect = Ausführung der Wertpapierorder

Allerdings sollten die Orderkosten berücksichtigt werden.

Gerade bei einem kleinen Startkapital von 500 €, 1.000 € oder 2.000 € können Gebühren prozentual eine größere Rolle spielen.


Das Entscheidende an der Minervini-Strategie

Die Minervini-Strategie besteht nicht darin, möglichst viele Aktien zu kaufen.

Sie besteht vielmehr darin, starke Aktien zu identifizieren und das Risiko jedes einzelnen Trades streng zu kontrollieren.

Das Entscheidende ist deshalb nicht nur die Frage:

„Welche Aktie kann steigen?“

Sondern ebenso:

„Wo steige ich ein – und wo steige ich wieder aus, wenn meine Einschätzung falsch war?“

Genau hier kommt das Stop-Loss- und Positionsgrößenmanagement ins Spiel.

Eine Strategie kann nicht verhindern, dass einzelne Trades Verluste verursachen. Sie kann aber darauf ausgerichtet sein, dass einzelne Fehler nicht das gesamte Depot zerstören.


Fazit

Mark Minervinis SEPA-Ansatz verbindet:

Fundamentale Stärke + Trendfolge + relative Stärke + Chartformation + präzisen Einstieg + Risikomanagement.

Besonders wichtig sind dabei Unternehmen mit überzeugendem Umsatz- und Gewinnwachstum. Interessant können außerdem beschleunigtes EPS-Wachstum, steigende Margen, positive Gewinnüberraschungen, verbesserte Analystenschätzungen und eine attraktive Eigenkapitalrendite sein.

Der bekannte 7-%-bis-8-%-Bereich beim Stop-Loss ist dagegen nur ein Teil des Gesamtkonzepts.

Kostenlose Werkzeuge wie TradingView, Finviz und StockAnalysis können den Auswahl- und Analyseprozess erheblich vereinfachen. Sie ersetzen jedoch nicht die eigene Prüfung der Aktie und insbesondere nicht die Beurteilung des konkreten Einstiegs, des Risikos und der Chartformation.

Eine angenommene Rendite von 50 % pro Jahr kann eindrucksvoll zeigen, wie stark der Zinseszinseffekt arbeitet. Sie sollte aber nicht als Renditeversprechen verstanden werden.

Wer die Strategie selbst anwenden möchte, sollte zunächst mit kleinen Beträgen beziehungsweise einem Musterdepot üben und die Regeln konsequent dokumentieren.


Hinweis von GeldSparenLeichtGemacht.de

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung, Finanzberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Historische Renditen und Rechenbeispiele sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Auch die Minervini-Strategie kann zu erheblichen Verlusten führen.

Ein Stop-Loss garantiert außerdem nicht, dass eine Aktie exakt zum festgelegten Stop-Kurs verkauft wird. Bei schnellen Kursbewegungen oder Kurslücken kann die tatsächliche Ausführung schlechter ausfallen.

Die jeweiligen Bedingungen und Kosten des Brokers sowie die Aktualität der verwendeten Börsendaten sollten vor einer Order geprüft werden.

GeldSparenLeichtGemacht.de übernimmt keine Haftung für finanzielle Verluste, die aus der Nutzung der in diesem Artikel dargestellten Informationen entstehen. Investiert bzw. handelt nur mit Geld, dessen Verlust ihr euch leisten könnt. Eine Möglichkeit ist, für spekulative Börsengeschäfte ausschließlich Geld einzusetzen, das ihr zuvor durch Sparmaßnahmen – beispielsweise mithilfe von Tipps auf GeldSparenLeichtGemacht.de – zurückgelegt habt.

Von Eduard

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